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Was macht man mit Schülern, die lernen wollen?
Vor einer großen Fensterfront, die den Blick auf
eine kaum befahrene Allee hoch gewachsener Bäume freigibt, sitzen eine
handvoll Schüler versunken über Büchern und Notizen an einem Tischkreis.
Zuweilen gehen sie an die Computer, die auf der einen Seite des Raumes
stehen, um ihre Ergebnisse einzugeben, oder sie wenden sich der
gefüllten Bücherwand auf der anderen Seite des Raumes zu, um etwas
nachzulesen. Immer wieder kommt es zu spannenden Gesprächen, Fragen
werden diskutiert oder kritische Stellungnahmen erbeten. - Wo ist der
Lehrer? - Auf den ersten Blick nicht erkennbar. Auf den zweiten Blick
ist er nur durch sein Alter von den Schülern zu unterscheiden. Gemeinsam
haben sich Schüler und Lehrer auf den Weg gemacht, die selbst gesteckten
Ziele zu erreichen, und dieser Weg wird konsequent verfolgt.
Diese Szene entstammt keiner pädagogischen Wunschvorstellung, sondern
ist Alltag in der Schülerakademie. Zwei Dinge werden hier deutlich: Zum
einen ist der interessierte, motivierte Schüler keine Legende. Es gibt
ihn und er ist bereit auch über 45 Minuten oder 8 Schulstunden hinaus
Leistung zu zeigen, wenn ihm dazu die Möglichkeit gegeben wird. Zum
anderen behindern die starre Schulform, der 45 Minuten-Takt, der
Stundenplan, aber auch die Vorgaben (Klausuren, RRL) ein vertiefendes,
selbständiges Lernen, das den Einzelnen in den Mittelpunkt stellt und
nicht den Unterrichtsstoff.
In diesem Sinne ist die Schülerakademie eine wichtige Ergänzung, aber es
ist auch ein notwendiges Korrektiv, das Schule immer wieder daran
erinnert: Es geht auch anders, vielleicht sogar besser.
Michael Hansen
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Leserbrief
am 11.10.2002 in der Münsterländischen Tageszeitung veröffentlicht
Sehr geehrte Redaktion,
im Folgenden übermittel ich Ihnen meinen Leserbrief zu dem Artikel "Die
Klugen werden noch schlauer" vom 08.10.2002. Ich selbst bin Teilnehmerin
der Schülerakademie Oldenburger Münsterland und möchte Ihnen hiermit
mein Entsetzen über die Darstellung der Akademie mitteilen:
Enttäuschung und Verärgerung waren wohl meine ersten Eindrücke, als ich
mich bis zum letzten Satz des Artikels "Die Klugen werden noch schlauer"
durchgekämpft hatte.
Ich spreche sicher im Namen vieler weiterer Teilnehmer, wenn ich
schreibe, dass der Artikel ein völlig falsches Bild von der
Schülerakademie vermittelt.
Für uns Schüler bedeutet die Akademie, dass wir die Möglichkeit haben,
Themen kennen zu lernen, für die man in der Schule keine Zeit hat. Dabei
sind es hauptsächlich wir, die den Projektverlauf bestimmen und
gestalten, da auf unsere Interessen großer Wert gelegt wird. Wenn wir
uns zehn Stunden lang mit stochastischer Finanzmathematik beschäftigten,
dann gäbe es ja nur noch Essen, Lernen, Schlafen. Und das eine Woche
lang. Dass dem nicht so ist, merken wir immer dann, wenn wir Märchen
lauschen können oder wir unser Geschick beim Bogenschießen messen
können.
Für den Außenstehenden ist der Artikel sicher abschreckend. Jemand, der
sich kein persönliches Bild von der Akademie machen kann, muss die
Vorstellung von einem Haufen Superhirnen haben, die danach lechzen mehr
und mehr Informationen, vampirisch aufzusaugen, um ihren Wissensdurst zu
stillen. Für die Schüler in den kommenden Jahren bewirkt der Artikel ein
Meiden dieses Projekts, das gerade erst in der Aufbauphase steckt.
Durch die falsche Darstellung muss es für jemanden von uns geradezu
peinlich sein, an der Akademie teilzunehmen, da man von Außenstehenden
abwertende Bemerkungen zu erwarten hat.
Die Schulen gingen bei der Auswahl der Teilnehmer so vor, dass sie
interessierten, motivierten und begabten Schülern zusätzliche
Lernmöglichkeiten anbieten wollten. Weniger ging es darum "Kluge noch
schlauer zu machen", sondern eher darum Motivation und
Leistungsbereitschaft interessenorientiert zu fördern.
Mit freundlichen Grüßen
Isabel Havermann
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