Zum 20. Mal Austausch zwischen Damme und Janzé

Gymnasium und Collège St. Joseph haben Grund zum Feiern

Leider: Immer weniger Franzosen lernen Deutsch

Die Motoren des Schüleraustausches zwischen den beiden Schulen in Damme und Janzé sind (von links) Sandrine Colleu, Richard Schlarmann und Martine Lacroix. :

Von Klaus-Peter Lammert
Damme/Janzé - Es ist ein Grund zur Freude, und doch liegt ein kleiner Schatten über dem Ereignis: Zum 20. Mal findet ein Schüleraustausch zwischen dem Dammer Gymnasium und dem Collège St. Joseph im französischen Janzé statt; seit 18 Jahren gibt es eine ganz offiziell vom Land Niedersachsen sowie der französischen Schulbehörde in Rennes anerkannte Partnerschaft zwischen beiden Schulen.
Doch inzwischen sieht Richard Schlarmann, beim Gymnasium seit 1986 für den Austausch verantwortlich, einige dunkle Wolken am Austauschhimmel heraufziehen. Denn immer weniger Schüler in Janzé lernen Deutsch als zweite Fremdsprache. Absolut "in" ist statt dessen zurzeit Spanisch. Die Franzosen haben deshalb aus der Not bereits eine Tugend gemacht und eine Schule in Retiers in das Austauschprogramm einbezogen.
Das ist nicht neu. Zwischen 1989 und 2002 beteiligte sich auch eine Schule aus Chateaugiron an dem Austausch, sprang dann aber ab, weil sie kaum noch Deutsch lernende Schüler hatte. Und die Dammer selbst sind ähnlich an den Austausch gekommen. Das Carolinum in Osnabrück hatte 1985 angefragt, ob sich das Gymnasium nicht an einem Austauschprogramm mit einem Collège in Chateaubeaurg beteiligen wollte. Die Dammer wollten, und im ersten Jahr fuhren die Lehrer Helmut Grewer und Jochen Heinßmann mit 40 Schülern mit nach Frankreich.
Ein Jahr später fragte eine Lehrerin aus Chateaubeaurg ihre Kollegin Martine Lacroix aus Janzé, ob sie Interesse habe, sich am Austausch zu beteiligen. Auch sie hatte. Die Schule in Chateaubeaurg stieg schon 1988 aus dem Programm aus - mangels ausreichend Schülern, die Deutsch lernen wollten.
Martine Lacroix ist noch heute zusammen mit Richard Schlarmann und ihrer französischen Kollegin Sandrine Colleu der Motor des Austausches. An dem beteiligen sich derzeit jedes Mal rund 40 Schüler, darunter auf französischer Seite auch solche, die längst in höheren Jahrgängen sind. Das Gymnasium selbst hatte den Austausch mit Achtklässlern gestartet und vor sieben Jahren bei den Teilnehmern auf die neunte Klasse umgestellt.
Die Schüler, die mitmachen, kommen aus den üblicherweise drei Französischklassen dieser Jahrgangsstufe. Entscheidend für die Teilnahme ist nach Worten Richard Schlarmanns aber nicht die Note. Ausschlaggebend sind das Sozialverhalten und die Sprechfähigkeit. Denn die Schüler sind während der zehn Tage in Frankreich in Gastfamilien untergebracht. Im Gegenzug sind sie verpflichtet, beim Besuch der Franzosen einen Schüler in ihrer Familie aufzunehmen.
Trotzdem kostet die Teilnahme am Austauschprogramm die Eltern auch Geld. Im Moment sind es 200 Euro pro Schüler. Die Summe wäre viel höher, wenn nicht der Landkreis Vechta und das Deutsch-französische Jugendwerk für dieses Angebot der Schulen im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts großzügige Zuschüsse zahlen würden.
Diese Zuschüsse ermöglichen es beiden Schulen, umfangreiche Angebote zu machen. Fest vereinbart sind zum Beispiel zwei gemeinsame Tagesausflüge der Schüler, eine Betriebsbesichtigung und eine Exkusion der jeweilen Gastschüler. "Schließlich sollen sie ein bisschen Land und Leute kennen lernen", erklärt Richard Schlarmann.
Er freut sich schon auf den nächsten Samstag. Dann treffen am Abend die Franzosen ein. Am 16. April findet ab 19 Uhr im Gymnasium ein Festabend wegen des 20-jährigen Bestehens des Austausches statt.
OV 04.04.05
 

Jetzt fehlt nur noch deutsch-französische Hochzeit

Gymnasium Damme und Collège St. Joseph (Janzé) feiern fröhlich den 20. Geburtstag ihres Schüleraustausches


Schüleraustausch macht Spaß: Einen besseren Beweis als den Auftritt der französischen Austauschschüler aus dem vergangenen Jahr konnte es dafür wohl kaum geben.Fotos (2):reh
Damme (reh) - Es hatte seinen guten Grund, dass am Samstagabend draußen vor dem Gymnasium Damme die französische und die deutsche Flagge wehten. Denn drinnen feierten zur gleichen Zeit Schüler, Lehrkräfte und Eltern aus beiden Ländern das 20-jährige Bestehen des Schüleraustausches zwischen dem Gymnasium und dem Collège St. Joseph in Janzé (Bretagne).
Dass diese 20 Jahre möglich wurden, dazu haben maßgeblich Lehrerin Martine Lacroix und Richard Schlarmann als ihr Kollege auf deutscher Seite beigetragen. Sie sind es, die die von Helmut Grewer und Jochen Heinßmann initiierte Schulpartnerschaft seit 1986 betreuen. Bis heute haben sie Begegnungen von rund 1800 Schülerinnen und Schülern organisiert, in die zwischenzeitlich auch Schulen in Chateaubourg und Chateaugiron eingebunden waren.
Über die Jahre haben sich dadurch enge Freundschaften zwischen den Lehrkräften und deren Familien ebenso entwickelt wie dauerhafte Kontakte der "Korrespondenten". "Einige Schüler des ersten Austauschs von 1985 haben noch heute Kontakt", erzählte Richard Schlarmann und fügte schmunzelnd hinzu: "Eigentlich fehlt uns nur noch eine deutsch- französische Hochzeit." Als Dank für ihr Engagement erhielten er und Martine Lacroix Präsente der Stadt Damme, die die stellvertretende Bürgermeisterin Jutta Finkemeyer überreichte.
Auch die französischen Gäste waren nicht mit leeren Händen gekommen. Martine Lacroix und Guy Déspres als Schulleiter von St. Joseph übergaben an Richard Schlarmann und Peter Rörsch als Leiter des Gymnasiums eine Granitplatte mit Erinnerungsgravur und einen kleinen Eichenbaum als "Symbol einer Freundschaft, die wächst". Das deutsche Gegengeschenk hatten sie bereits im Oktober in Janzé erhalten, denn auch dort hatte natürlich ein Jubiläumsfest stattgefunden. Wie viel Spaß der Schüleraustausch macht, das wurde an den Programmbeiträgen der beteiligten Jugendlichen deutlich. Mit viel Freude an der Sache und bilateral inszenierten sie etwa den "typischen ersten Abend" in der französischen Gastfamilie, samt der für die Deutschen gewöhnungsbedürftigen Wangenküsse und der südoldenburgischen Wurst als Mitbringsel.
Die künftigen Austauschüler aus der Klasse 6d führten den Tanz "Ensemble" vor, während die aktuellen Korrespondenten ihr Lied vom Festabend im Oktober und ein Dankeslied an ihre Lehrer vortrugen. Abgerundet wurde das Programm durch Auftritte des "Dammer Getöses", des Ensembles des Gymnasiums sowie der "Burskupper Danzlüe", bevor der Abend in eine fröhliche Feier mündete. Und wer weiß: Vielleicht wurde dabei ja der Grundstein gelegt für die erste Ehe Damme/Janzé...

OV 18.04.2005