Michael Zeuke: Ansprache anläßlich des 40-jährigen Bestehens des Gymnasiums Damme

 

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Gymnasiums Damme hielt der kommissarische Schulleiter Michael Zeuke eine Ansprache, in der er die erfolgreiche Entwicklung der Schule aufzeigte.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Arbeit der Schule wird heute in zunehmendem Maße von außen beeinflusst.
Viele glauben sich genötigt, da sie ja selber Schule am eigenen Leibe erlebt haben, Ratschläge erteilen zu müssen. Die Wissenschaft „Schulpädagogik“ wird zunehmend zum Experimentierfeld der Individualpsychologie und die Schule selber gerät immer stärker in die „Benchmark - Klauen“ der Betriebswirtschaftslehre.
Gestatten Sie mir aus diesem Grunde, die Entwicklung des Gymnasiums Damme einmal aus der wirtschaftlichen Perspektive darzustellen. Ich werde dabei vielleicht einige provozierende Vokabeln aus dem produzierenden Gewerbe benutzen:

Meine Damen und Herren,
ich begrüße Sie also zur Hauptversammlung der Gymnasium Damme AG anlässlich des
40 jährigen Firmenjubiläums !
Selbst Kleinstgewichte in irgend einem Aktienindex würden aus diesem Anlass eine Hochglanzbroschüre präsentieren. Wir verzichten darauf, um unsere Liquiditätsquote nicht zu gefährden – Sie erhalten also heute nur einen mündlichen Bericht !

Die Gründungsidee war vor 40 Jahren sicher nicht neu oder gar revolutionär – das Produkt „Gymnasium“ gab es schon seit Humboldts Zeiten ! Was ließ die Gründungsväter also an den Erfolg ihrer Unternehmung glauben ? – Es war die sichere Prognose der Nachfrage nach dem Produkt in der Region.
Die Gründung selber ist vielleicht vergleichbar mit der Eröffnung einer neuen Franchise – Niederlassung einer großen Fast Food Kette: Die Zentrale stellt den Produktnamen zur Verfügung, „Gymnasium“, schreibt den äußeren Erscheinungsrahmen vor ( Gestaltung der Räume, technische Ausstattung) und legt die Normen für das einzustellende Personal fest.
Die Investitionen muss der Lizenznehmer ( der Landkreis Vechta ) zahlen, für die Rentabilität der Unternehmung gibt es keine Garantie und wenn die Zentrale die Vertragsbedingungen ändert, muss der Investor reagieren, wenn er die Lizenz behalten will ! Und das kann schon teuer werden, denn die Ausrichtung der Firmenpolitik ändert sich fast jedes Mal mit dem Austausch der zentralen Führungsriege.

Wie bei den meisten Betriebsneugründungen startete man mit einem sehr begrenzten Raumangebot, erst nach zwei Jahren wurden wichtige Betriebsstätten wie die Turnhalle fertig gestellt. Mit der Zeit wurden weitere Fertigungsräume in Betrieb genommen, denn die Bearbeitungskapazität musste mit der Nachfrage mithalten.
Der Betrieb begann mit einem Klassentrakt, dem Fachraumtrakt, der Pausenhalle und dem Verwaltungstrakt. Es folgte die Aula mit Musikräumen und die Turnhalle, hier nicht auf dem Bild. Im nächsten Bauabschnitt wurde ein weiterer Klassentrakt erstellt. Durch die Rückübertragung weiterer Bearbeitungsschritte nutzt das Gymnasium
heute auch noch Räume im Gebäude unseres Nachbarbetriebes.

Nach der kurzen Darstellung der Gebäudesituation komme ich nun zu den
Personaldaten und der Produktion: Die „Menpower“.

Der Betrieb startete mit 7 Mitarbeitern und 170 zbE ( zu bearbeitende Einheiten ) und verfünffachte sich bereits in den ersten 6 Jahren, der Aufbauphase, wie Sie an der Kurve erkennen können. Ebenso stieg die Zahl der Mitarbeiter. Schwankungen in der Auslastung sind zum Teil auf die Reduzierung von Produktionsbereichen durch die Zentrale zurück zuführen.
Zu erkennen ist besonders in den letzten Jahren der relativ starke Anstieg der zbE bei nur unwesentlich veränderter Mitarbeiterzahl.

 

Soweit möglich, hat die Modernisierung und Automatisierung auch vor unserem Betrieb nicht Halt gemacht: Die technische Ausstattung wurde erheblich verbessert.
Die Bilder zeigen die Entwicklung der Textverarbeitung – besondere Anwendung hier ist die Erstellung der Protokolle der Qualitätskontrolle bei der Endabnahme unserer Produkte (Abiturzeugnisse). Von der Schreibmaschine, bei der ein Tippfehler einen Neuanfang erforderte – über den Nadeldrucker ( A3!) – nicht Tippfehler waren hier das Problem, sondern die Tatsache, dass die Mechanik bis zu 10 Prozent der Formulare mechanisch vernichtete – zum A3 Kopierer/Drucker, der vollautomatisch beidseitig druckt.

Allerdings ist es bis heute nicht möglich, die Bearbeitungsprozesse oder die Qualitätskontrollmessungen zu automatisieren. Die vielen Messdaten müssen nach wie vor von Hand ermittelt und erfasst werden ! Mit der gesteigerten Produktivität geht daher eine erhebliche Steigerung der Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einher. Für die Investoren kostengünstig wirkt sich die Stückkostenentwicklung aus – eine Grafik zur Lohnentwicklung unserer Mitarbeiter werde ich heute aber nicht zeigen, da wir ja ein freudiges Ereignis feiern !

Die produktive Tätigkeit unterliegt in unserem Betrieb besonderen Bedingungen:
Jeder Betrieb, der qualitativ hochwertige Produkte abliefern muss, hat dafür Sorge zu tragen, dass seine Werkstücke bis zur Endkontrolle keinen negativen Einflüssen ausgesetzt sind.
Nur ungern werden z. B. Metallkonstruktionen zur Oberflächenbehandlung in einen anderen Betrieb gegeben, da sie danach in der Endmontage die geforderten Toleranzen erfüllen müssen ! Unsere zu bearbeitenden Einheiten sind dagegen regelmäßig verschiedensten Umwelteinflüssen, z. B. der Gesellschaft in unterschiedlichster Weise ausgesetzt. Insbesondere nach Wochenenden oder längeren Betriebspausen ist häufig eine schonende, aber trotzdem wirksame Nachbehandlung notwendig. Hinzu kommt, dass auch die „Rohware“, die uns zur Bearbeitung zur Verfügung steht, natürlichen Schwankungen unterliegt.

Die besondere Arbeitsweise in unserem Betrieb stellt hohe Anforderungen an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: In normalen Produktionsbetrieben bilden reproduzierbare und einmal optimierte Arbeitsschritte die Basis ökonomischer und Qualität sichernder Produktion. Die Vorgaben für unseren Betrieb gehen von stets wechselnden Arbeitsmethoden aus – Sicherheit gewährende Routine darf es nicht geben, fundierte Effektivitäts-untersuchungen sind so kaum möglich.

Qualitätskontrolle hat einen festen Platz in unserem Produktionsprozess, der mit 8 bzw. 9 Jahren äußerst langwierig ist. Deshalb finden jährlich flächendeckend Qualitätsüberprüfungen statt; auftretende Mängel werden aufgedeckt und wenn nötig, sogar durch Wiederholung eines Bearbeitungsschrittes zu beseitigen versucht.
Trotz aller Sorgfalt erreichen ca. 2 bis 5 Prozent die 1 A Qualitätsstufe am Ende nicht, aber auch unsere 1 B Qualitäten sind gefragt.

Der Output unseres Betriebes hat nach wenigen Jahren einen recht hohen Level erreicht und diesen durch die Jahre gefestigt – wie Sie an der Graphik erkennen können.

 

Punktuelle Betriebsprüfungen gehörten schon immer zu den Maßnahmen der Qualitätssicherung – umfassende externe Überprüfungen stehen in naher Zukunft auf dem Programm.

Wie fast jeder modern geführte Betrieb kommen auch wir am Outsourcing nicht vorbei:
Unsere Betriebsreinigung – durch zentrale Vorgaben an einen externen Anbieter vergeben – bietet Kostenvorteile aber auch Nachteile für den Produktionsablauf. Die Vergabe des Catering- und Kantinenservice an einen externen Anbieter, der zusammen mit der Leitung der Filiale ausgewählt wurde, hat sich als großer Vorteil für unseren Betrieb erwiesen.

Meine Damen und Herren,
Das Startup-Projekt Gymnasium Damme war für den Standort Damme die richtige Idee zur richtigen Zeit. Die Gründungsväter und die Startmannschaft haben Gutes geleistet.
Nach 40 Jahren kann sich eine Organisation präsentieren, die nicht in der Vergangenheit verhaftet aber auch nicht dem Zeitgeist verfallen ist.
Das Gymnasium Damme pflegt seine Traditionen und Werte und ist aber auch offen für Neues: Für Projekte, die den gesteckten Zielen förderlich sind, für Veränderungen, die Bestehendes nachhaltig verbessern, für Ideen, die das Spektrum unseres Wirkens sinnvoll erweitern.
Wir dürfen heute allen danken, die unsere Schule auf ihrem Weg begleitet haben und dazu beigetragen haben, dass wir heute diese Bilanz ziehen können !
Die „führenden Köpfe“ aus den letzten 40 Jahren sind heute hier versammelt und werden aus ihrer Sicht Episoden und Gedanken zur Entwicklung des Gymnasiums Damme in den folgenden Interviews zum Besten geben.
Wir freuen uns auf die Beiträge von Heinrich Holtvogt, unserem Gründungschef, seinem Nachfolger Alfons Zimmer und unserem doch nicht ganz abwesenden letzten Chef Peter Rörsch.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.