Unsere Bolivienreise 2002

 

Besuch in Bolivien

Die "dienstältesten" Mitglieder der AG, das sind Lena, Nicole, Stefanie und Susanne, planen im Sommer 2002 zusammen mit Frau Litzenburger einen Besuch in La Paz. Die Vorbereitungen dafür laufen:
- wir lernen Spanisch
- wir haben Kontakt aufgenommen zur deutschen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in La Paz, die die Unterkunft für uns organisiert
- wir haben die Eltern zu einem Informations- und Planungsgespräch eingeladen
- wir arbeiten an der Finanzierung der Fahrt
- und ... und ... und ...

Ziel dieser Fahrt ist es, das Projekt, für das sich unsere Schule seit vielen Jahren engagiert, zu besuchen, die Verantwortlichen vor Ort kennenzulernen, zu sehen, wie unser Geld eingesetzt wird, die Lebensbedingungen der Menschen in La Paz kennenzulernen und die Kontakte zu stärken.

 

Von der Herzlichkeit überwältigt

Unsere Reise begann am 15.06.2002 am Flughafen Münster-Osnabrück. Nach einem langen, anstrengenden und abschließend ziemlich kurvenreichen Flug kamen wir schließlich ziemlich fertig einen Tag später in La Paz, der heimlichen Hauptstadt Boliviens, an, wo Frau Harjes, die für die Finanzen unserer Partnerschule verantwortlich ist, uns abholte.
Wir besuchten unsere Partnerschule einen Tag darauf. Diese liegt in Pam-pahasi auf dem Alto (ca. 4000m ü. NN). Dort angekommen wurden wir begrüßt, wie wir uns das nicht hätten erträumen können: Kleine Kinder in bunten Kostümen tanzten verschiedene

Tänze und trugen Gedichte vor. Wir waren sehr gerührt über solche Bemü-hungen, aber auch, da viele Kinder sich mit uns fotografieren lassen woll-ten und uns Küsschen gaben.

In dem Raum, wo die Vorführung war, gab es auch einen Fernseher und eine Anlage, die von dem Geld unserer Schule bezahlt worden waren. Dieser Fernseher ist der einzige in ganz Pam-pahasi.

Anschließend gab es noch eine kleine Fragerunde, doch die Kinder waren eher schüchtern und trauten sich nicht so recht, uns Fragen zu stellen. Zum Teil lag es aber auch an der Sprachbar-riere.

Anschließend wurde uns das gesamte Anwesen gezeigt mit dem Comedor, der Küche, der Bibliothek und den Vorschulräumen.

Im Comedor selbst stehen viele von den Eltern selbst gezimmerte Tische und Stühle, an denen das Mittagessen eingenommen und auch oft gebastelt wird. An der Decke hingen viele selbst gemachte Mobiles mit Pokemon-figuren, die auch hier bekannt waren.

Die Küche war vielleicht 9 m² groß. Darin befand sich ein großer Ofen, es gab ein Waschbecken, 4 Gasherd-platten und Arbeitsflächen. Hier wird jeden Tag das Essen für 80 bedürftige Kinder gekocht!!!

Die Bibliothek, die man bei unseren Verhältnissen wohl kaum so benennen würde, war die größte in der Gegend. Hier stand sogar ein alter PC!
Nachdem uns alles gezeigt worden war, saßen wir noch mit einigen Leh-rern und der Direktorin beisammen und haben Tee getrunken. Die Rück-fahrt in die Stadt verbrachten wir dann mit insgesamt 17 Personen in einem Toyota- Kleinbus. Wer hätte gedacht, dass da 17 Leute reinpassen??? Wir haben uns dann überlegt, dass man so ganz billige Kursfahrten machen könn-te: Zur Not passen sogar zwei Kurse in einen Kleinbus, wenn man etwas quetscht.

Bei unserem nächsten Besuch stand eine große Wanderung durch Pampa-hasi an. Ziemlich schnell wurde uns klar, dass wir für die dortige Höhenla-ge absolut nicht genügend Kondition hatten. Zu Litzis Enttäuschung muss-ten wir die Wanderung aufgrund aku-ten Sauerstoffmangels vorzeitig abbre-chen(und auch wenn sie es heute noch nicht zugibt: Litzi war auch am En-de!!!). Im Gegensatz zu uns waren die Einheimischen in dieser Höhenlage topfit und verstanden nicht so recht, warum wir aufgeben mussten.

Nach dieser Anstrengung freuten wir uns auf ein leckeres Essen im Come-dor. Zuvor beteten die Kinder und dankten Lehrern, Eltern, der Küche, den Köchinnen und dem lieben Gott. Für sie ist das Essen keine Selbstver-ständlichkeit. Vielleicht kann man auch sagen, dass sie sich über viele Dinge noch richtig freuen können im Gegensatz zu uns in einer Konsumge-sellschaft. Für uns war das Essen schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Eine Beschreibung: Gemüse undefi-nierbar, mit Knochen...

Dann haben wir mit den Kindern ge-malt, was sehr lustig war, besonders weil wir mit Fingern malen durften und diese noch Tage danach bunt wa-ren. Dann haben wir uns die Calenda-rios angesehen, die die Kinder selbst sticken. Diese verkaufen wir übrigens auch auf dem Bolivien-Basar. An-schließend setzten wir uns nach drau-ßen und gaben den Kindern einen Deutsch- Crashkurs.

Bei unserem nächsten Besuch ging’s morgens nach dem Frühstück gegen neun direkt nach Pampahasi zu unse-ren süßen, kleinen Kindern. Zunächst wurde uns die Schule gezeigt. Die ist nämlich nicht genau beim Comedor, wo die Kinder spielen und Essen be-kommen, sondern einen Block weiter unten.

Auf die Schule gehen 700 Schüler auf 25 Lehrer. Das heißt, dass in einer Klasse an die 45 Schüler sitzen. Da guck sich mal einer unsere Zahlen vom Gymnasium als Vergleich an (910 Schüler, 72 Lehrer). Die Lehrmittel, die größtenteils selbst gebastelt wur-den, waren sehr faszinierend. Ein selbstgemaltes Periodensystem, aus Styropor gefertigte Biomateralien, selbst gemalte Landkarten an den Wänden... Ob sich Jemand bei uns die Arbeit machen würde?


Danach ging es wieder zum Comedor, wo die Kinder ein Theaterstück für uns vorbereitet hatten. Total süß und ein paar witzige Pannen drin... In diesem Theaterstück ging es um die mehr oder weniger alltägliche Situation der Indi-os: Der Vater verlässt die Familie, um Arbeit zu finden, versäuft sein Geld, seine Familie muss ums Überleben kämpfen...
Anschließend haben wir mit den Kin-dern gepuzzelt und es gab etwas zu essen. Diesmal
haben wir sogar alles bis auf den Salat gegessen... Respekt... aber als wir den Salat in den Müll geworfen haben, guckten die Kinder schon ein bisschen sparsam, denn sie mussten ihren Teller leer essen. Ein solches Essen kostet für 80 Kinder 200 Dollar pro Woche, also ca. 200 Euro. Nach dem Essen waren wir dann schon voller Hoffnung nach Hause zu kommen, denn so viele Kin-der sind doch ganz schön anstren-gend..., abba nein..., gegen 15 Uhr bastelten wir dann noch einmal.

Anschließend ging es an den Abschied. Die Kleinen haben uns noch mal heftig durchgeknuddelt, wir verabschiedeten uns noch von den Lehrern und Merce-des und dann verließen wir das Come-dor-Gelände. Auf dem Weg zur „Bus-haltestelle“ blickten wir noch einmal zurück zum Comedor: Alle Kinder standen in einem Fenster und winkten uns hinterher.

Man kann sagen, dass es für uns vier eine einmalige Erfahrung war, die wir so schnell nicht vergessen werden. Die Eindrücke in Bolivien, die Menschen und die Gastfreundschaft werden bei uns in ewiger Erinnerung bleiben.


Lena Stöver,
Susanne Wehming,
Stefanie Graw