Entwicklungsprojekt des Gymnasiums Damme mit
der Partnerschule
"Delia Gambarta de Quezada" in PAMPAHASI BAJO (La Paz,
Bolivia)
Pampahasi ist ein Elendsviertel im Vorstadtgürtel von La Paz.
Die hier wohnenden rd. 10000 Menschen sind vom Altiplano
eingewandert, um in La Paz eine Existenzmöglichkeit zu erlangen.
Sie leben oberhalb der Vegetationsgrenze in einer Höhe von ca. 4000
Metern; hier gibt es weder Baum noch Strauch, nur eine staubige
Hochebene; hier ist die Luft zu dünn zum Atmen, hier leben die
Armen von La Paz. 70% der Kinder leiden an Unterernährung, der
monatliche Durchschnittsverdienst der Bewohner beträgt nur 30 DM,
was dem Preis eines Abendessens im Deutschen Club von La Paz
entspricht. Die Kinder von Pampahasi sind gezwungen, in die Stadt
hinunterzusteigen, um Arbeit zu suchen oder zu betteln. In diesem
Elendsviertel begannen 1980 engagierte Eltern und Lehrer eine Schule
zu gründen, die sie zum Gedenken an eine verdiente bolivianische
Erzieherin "Delia Gambarta de Quezada" nannten. Als in den
Sommerferien 1983 ein Lehrer des Gymnasiums (Rudolf Bollmann) mit
seiner Familie auf Einladung einer deutsch-bolivianischen Familie in
La Paz weilte, wurde er mit der Situation in Pampahasi konfrontiert.
Ein Schulgebäude bestand nicht, die Umkleidekabinen eines
Sportplatzes waren notdürftig hergerichtet, die Schüler saßen
auf dem kalten Lehmboden. Es gab weder Bänke noch Tische, es fehlte
Unterrichtsmaterial, nicht einmal eine Wandtafel war vorhanden. Die
3 Lehrpersonen arbeiteten für weniger als 30 DM im Monat, falls sie
überhaupt Gehalt vom Staat erhielten.
Diese Erlebnisse und Gespräche mit Eltern und Erziehern vor Ort in
Pampahasi führten zur Vorstellung des Projektes Pampahasi auf dem
Schulfest des Gymnasiums Damme 1983. In einer detaillierten Studie
baten die Bolivianer um eine Beteiligung des Gymnasiums an
dem"Proyecto Comedor Escolar". Für etwa 1 00 Schüler
zwi-schen 6 und 16 Jahren sollte die Möglichkeit geschaffen werden,
einen Speisesaal (Comedor) zu bauen und mit dem Nötigsten
auszustatten. Dort könnten dann die Kinder regelmäßig verpflegt
und nach der Schule beaufsichtigt werden.
Diesen präzise vorgetragenen Wünschen wurde in vollem Umfang
entsprochen. Von dem schier unglaublichen Reinerlös des Schulfestes
von DM 20.000 ging die Hälfte (10.000 marcos alemanes) nach
Pampahasi. Weitere Geldspenden von Eltern, Lehrern und Schülern
(bis 1991 rd. DM 40.000) folgten im Laufe der Jahre über die
Familie Wiethüchter, die als Verbindungsstelle des Gymnasiums Damme
in La Paz fungierte. So wurden alle Hilfsmaßnahmen direkt
koordiniert und kontrolliert. Im Jahre 1984 konnte ein notariell
beglaubigter Grundstücksvertrag unterzeichnet werden, auf dem das
Gebäude errichtert werden sollte. Studenten der Bauhochschule von
La Paz erklärten sich bereit, ohne Honorar ein Gebäude mit
Speisesaal zu entwerfen; die Eltern von Pampahasi begannen, in
Eigenhilfe Lehmziegel zu fertigen und den Comedor zu bauen. Über
alle baulichen und finanziellen Maßnahmen wurde das Gymnasium Damme
informiert. 1989 war der Comedor fertiggestellt.
Helga Wiethüchter berichtet in einem Brief an das Gymnasium Damme:
"Nach so langer Zeit von rund 5 Jahren war es nun endlich
soweit: Am 9. August 1989 konnten wir unseren "Comedor
Pampahasi" einweihen, zu dessen Bau das Gymnasium Damme und
einige Freunde mit einer Unterstützung von insgesamt ca. 30.000 DM
wesentlich beigetragen haben.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal ganz herzlich für den großen
Einsatz einiger von Ihnen danken, durch allein den es möglich war,
eine so beachtliche Summe zusammenzubekommen.
Im ganzen sind für den Kauf des Grundstückes und die Errichtung
des Gebäudes etwa 50.000 US $ ausgegeben worden...
57 Kinder werden versorgt. Sie bekommen morgens eine Tasse Milch mit
einem Brötchen, mittags ein warmes Essen und eine Frucht zum
Nachtisch. Das Essen ist genau auf eine Verbesserung des Ernährungszustandes
der 6-12 jährigen abgestimmt.
Das Personal besteht zur Zeit aus einer Leiterin und einem Lehrer,
die beide mit halber Stundenzahl tätig sind. Bei der Betreuung der
Kinder hilft außerdem die ganztags eingestellte Sekretärin und
eine deutsche Praktikantin, die für ein Jahr unentgeltlich bei uns
arbeitet. Außerdem ist da eine Köchin, ihre Gehilfin, die auch
putzt, und ein Nachtwächter. Die Gehälter dieser Personen liegen
alle bei etwa DM 150,- monatlich.
Um die Arbeit weiterführen zu können, möchten wir Sie nun wieder
um Ihre Hilfe bitten.
Wir haben uns in diesem Sinne auch an andere Stellen gewandt, müssen
aber davon ausgehen, dass die voraussichtlichen Kosten für das
folgende Jahr bei gleicher Anzahl von zu betreuenden Kindern etwa
13.000 US $ sein werden. Dieser Betrag kann sicherlich nur
aufgebracht werden, wenn auch Sie uns wieder unterstützen... Wir
sind optimistisch, dass speziell das Gymnasium Damme als
Partnerschule uns auch in Zukunft helfen wird."
Am 14.06.1988 hatte die Gesamtkonferenz des Gymnasiums Damme
beschlossen, eine Partnerschaft mit der Schule "DELIA GAMBARTA
DE QUEZADA" in Pampahasi Bajo einzugehen. Damit wurde dem
Ansinnen Ausdruck gegeben, "die in unseren Kräften stehenden Möglichkeiten
zur Unterstützung dieser Schule zu koordinieren und zu
nutzen". Vor allem die Schüler hatten sich für eine Art
Partnerschaft mit der bolivianischen Schule eingesetzt. In einer groß
angelegten Werbekampagne "Schüler für Schüler" hatten
sie ihren Wunsch geäußert, die Zusammenarbeit mit den Schülern
von Pampahasi nicht nur auf einer rein finanziellen Grundlage
durchzuführen, sondern auch Wert zu legen auf einen kulturellen
Austausch. Sie sprachen von Brieffreundschaften zwischen Schülern,
Informationen über unterschiedliche Lebensweisen, Vermittlung von
Kontakten etc.. "Es ist an uns zu zeigen, dass uns das
Schicksal anderer Kinder nicht egal ist und dass wir als Schüler für
Schüler einstehen."
Trotz weitergehender Zielsetzung wird die finanzielle Unterstützung
der Partnerschule einen breiten Raum einnehmen. Neben der
Schulleitung, den Lehrern und Eltern bemüht sich seit geraumer Zeit
vor allem auch die engagiert arbeitende Bolivien-AG des Gymnasiums
Damme um die Organisation finanzieller Hilfen: Weihnachtsbasare,
Sportfeste, Kleidersammlungen, Discos, Popkonzerte, nicht zu
vergessen die seit Mitte 1988 regelmäßig stattfindenden
"Kuchentage" sind erprobte Veranstaltungen geworden, um
den "Comedor Escolar" und die Partnerschule "Delia
Gambarta de Quezada" zu unterstützen.
Rudolf Bollmann 1991
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