In dieser
Auflistung werden zentrale Unterrichtsinhalte sowie die didaktisch-methodischen
Schwerpunkte des Unterrichts deutlich. Die zunehmende Bedeutung physikalisch-mathematischer Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten
im Chemieunterricht soll bereits an dieser Stelle betont werden. Diese werden
im Verlauf des Chemieunterrichts immer wichtiger – insbesondere in der
Qualifikationsphase sind Kenntnisse aus den Nachbardisziplinen für eine
erfolgreiche Vorbereitung auf Abitur und Studium enorm wichtig. Meine Erfahrung
zeigt, dass Schüler, die über solide mathematische und physikalische Kenntnisse
verfügen, im Chemieunterricht der Qualifikationsphase vielfach bessere
mündliche und schriftliche Leistungen zeigen.
Der
Beginn: Klasse 6
In der Klasse 6
lernen die Schülerinnen und Schüler das für sie neue Fach Chemie kennen.
Ausgehend von Alltagserfahrungen erarbeiten die Schüler viele
interessante Aspekte zu den Themenbereichen Feuer,
Luft und Wasser. So untersuchen sie beispielsweise beim Thema Feuer
unter welchen Bedingungen etwas brennt, wie sich ein Brand löschen lässt und wo
man Verbrennungen im Alltag einsetzt (Heizung, Verbrennungsmotor). Beim Thema
Luft wird die Luft als Gasgemisch genauer unter die Lupe genommen, indem auch
die einzelnen Bestandteile untersucht und nachgewiesen werden. Die Bedeutung
der Luft für die Verbrennung kann an dieser Stelle auf den Sauerstoff
konkretisiert werden. Das Thema Umweltverschmutzung durch Luftschadstoffe
bildet den Abschluss der Themenbereiche Luft und Feuer. Die Frage „Woher kommt
eigentlich unser Wasser?“ bildet den Einstieg in das Thema Wasser. Der
Wasserkreislauf, die Methoden der Wasserreinigung und die Eigenschaften des
Wassers (Dichteanomalie, Löslichkeit) stehen im Mittelpunkt des Unterrichts. In
diesem Zusammenhang lernen die Schüler bereits einfache Trennverfahren kennen.
Diese werden in der Klassenstufe 7 wieder aufgenommen und erweitert.
Der
Chemieunterricht in der Klasse 6 ist geprägt von der selbständigen
Erarbeitung der Inhalte anhand von Schülerexperimenten.
Nahezu jeder Fachinhalt wird ausgehend von einem Alltagsphänomen mithilfe
geeigneter einfacher Experimente erarbeitet. Dabei steht das eigenständige
Experimentieren der Schüler im Mittelpunkt.
Damit die Schüler
diese Experimente selbständig durchführen können, werden sie vor dem
Themenbereich Feuer mit den geltenden Sicherheitsbestimmungen und der
Handhabung der Laborgeräte vertraut gemacht. Dies geschieht durch einen Laborführerschein, der, wie beim richtigen
Führerschein, aus einer theoretischen und einer praktischen Prüfung
besteht.
Die
Weiterführung: Klassen 7 und 8
Der eher auf eine Schulung chemischer Methoden ausgerichtete Unterricht
in der Klasse 6 wird zunächst in ähnlicher Form in der Klasse 7 weitergeführt –
diesmal jedoch unter der Leitlinie „Stoff“. Die Schüler lernen im Rahmen eines Experimentalpraktikums verschiedene Methoden zur
Untersuchung von Soffen und deren Eigenschaften kennen. So werden
Untersuchungen zur Dichte von Stoffen systematisiert und einfache
Dichteberechnungen durchgeführt. Löslichkeit, Leitfähigkeit, magnetisches
Verhalten werden ebenfalls thematisiert. Am Ende dieser Unterrichtseinheit
verfügen die Schüler über ein Repertoir an Fachmethoden, mit denen sie
unbekannte Stoffe identifizieren können. Eine praktische Prüfung, in der die
Schüler drei sehr ähnlich aussehende Stoffe anhand selbst geplanter und
durchgeführter Experimente identifizieren sollen, schließt diese Einheit ab.
Das Kugelteilchenmodell, die erste Vorstellung vom Aufbau
der Stoffe aus kleinsten Teilchen (Atomen), leitet zum Themenbereich Mischen
und Trennen über. Hier lernen die Schüler verschiedene Gemische und die zur
Trennung nötigen Trennverfahren kennen. Auch hier steht die eigenständige
Planung und Durchführung von Experimenten im Mittelpunkt. Die experimentelle
Analyse eines Lebensmittels wie z. B. Cola, Gummibärchen, Schokolade oder
Kinderwurst bilden den Höhepunkt dieser Unterrichtseinheit.
|
|
In verschiedenen Cola-Getränken
wurden die Farbstoffe durch Katzenstreu gebunden (adsorbiert). Durch Filtration
erhielt man eine helle gelbliche Flüssigkeit. Die Flüssigkeit wurde entweder
vorsichtig eingedampft, um den Zuckergehalt zu bestimmen, oder es wurde der
Zuckergehalt qualitativ mit der Fehling-Probe untersucht. Untersuchungen zum
pH-Wert wurden auch noch durchgeführt.
Mit dem
Themenbereich „chemische Reaktion“ rücken die Stoffveränderungen
in den Blick der Schüler. Von der bislang eher physikalischen Betrachtungsweise
gelangen die Schüler nun zur „eigentlichen Chemie“. Die Kennzeichen von
chemischen Reaktionen werden wiederum in einem Experimentalpraktikum
erarbeitet. Dem energetischen Aspekt chemischer Reaktionen wird ein besonderer
Raum geboten, indem die Schüler bereits die bei chemischen Reaktionen frei
werdende Energie in einem einfachen Experiment bestimmen. Auch die Bedeutung
von Katalysatoren wird angesprochen und auf den Autokatalysator übertragen.
Die Behandlung der
zentralen Begriffe Element und Verbindung leiten zur ersten Atomvorstellung
nach Dalton über. In dieser Phase erfolgt der konkrete Übergang von der
stofflichen Ebene auf die atomare Ebene. Über den sehr motivierenden
Ölfleckversuch gelangen die Schüler zu einer einfachen Vorstellung atomarer
Dimensionen. Die Massen von Atomen werden von zentraler Bedeutung für die
Erklärung chemischer Grundgesetze. Am Ende der Klasse 7 lernen die Schüler den
Weg zur chemischen Formel und die Formelsprache kennen. Erste stöchiometrische Berechnungen werden auf der Basis
des Molbegriffs, dem „chemischen Dutzend“, durchgeführt. Diese wichtigen
mathematischen Aspekte von Chemie werden in der Klasse 8 weitergeführt und an
den Themen Metallgewinnung, Redoxreaktionen und Gase gefestigt. Die intensive
Festigung der oft ungeliebten stöchiometrischen Berechnungen ist für den
weiteren Erfolg im Chemieunterricht von enormer Bedeutung. Daher wird diesen
Aspekten ein so großer Raum gegeben.
Jetzt
wird es ernst: Klassen 9 und 10
Die Ähnlichkeit
einiger Elemente und deren Anordnung zu Elementfamilien
leiten zur Ableitung des Periodensystems der Elemente
über. Die Schüler untersuchen wiederum in einem Experimentalpraktikum
verschiedene Eigenschaften der Alkali-, Erdalkalimetalle und der Halogene, um
anschließend die Stoffe zu systematisieren. Formelsprache und stöchiometrische
Berechnungen werden dabei konsequent wiederholt und gefestigt.
Schülerübungen zur
Elektrolyse von Salzlösungen leiten zur Behandlung des Atombaus über. Die Schüler
erkennen, dass man von Atomen Ladungen abspalten kann. Der Ionenbegriff wird eingeführt. Am Ende dieser
Unterrichtseinheit steht das 1913 von Nils Bohr vorgestellte Schalenmodell.
Dieses Modell wird von den Schülern auf das Periodensystem und die Ionenbildung
(Salzbildung) angewandt und anschließend auf einfache Redoxreaktionen
übertragen. In diesem Zusammenhang erfolgt die Erweiterung des Redoxbegriffs
auf die Ebene der Elektronen sowie die Behandlung der Themen elektrochemische
Energieträger (Batterien, Akkus) sowie Korrosion. Die zentralen Inhalte werden
dabei wiederum in Experimentalpraktika erarbeitet.
Von den
Metall-Nichtmetallverbindungen, den Salzen, führt der Weg hin zu den flüchtigen
Stoffen, die aus Molekülen aufgebaut sind. Was diese Moleküle zusammenhält,
welche räumliche Struktur sie zeigen und welche Eigenschaften sich aus der
Molekülstruktur ableiten lassen, dass sind die zentralen Inhalte dieser
Unterrichtseinheit. Angewandt werden diese Inhalte am Beispiel des Wassers. Die
Dichte- und Siedetemperaturanomalien werden mit der räumlichen Struktur des
Eisgitters und den bestehenden Wasserstoffbrückenbindungen
in Beziehung gesetzt. Eine Betrachtung des Lösungsvorgangs auf molekularer
Ebene schließt den Unterrichtsgang der Klassenstufe 9 ab.
Die Inhalte der
Klasse 10 finden sich in der folgenden Tabelle:
|
Themenbereich: |
Inhalt |
|
Säuren und
Laugen |
·
Wo
finden sich Säuren im Alltag? Wo werden sie eingesetzt? Die Schüler lernen wichtige
alltägliche und technische Säuren und Laugen kennen. ·
Welche
Eigenschaften haben Säuren und Laugen? In einem Experimentalpratikum
untersuchen die Schüler die allgemeinen Eigenschaften von sauren und
alkalischen Lösungen. ·
Durch
welche Teilchen werden diese Eigenschaften hervorgerufen? Die Schüler lernen
die Hydronium- und Hydroxid-Ionen kennen. ·
Säure-Base-Theorie
nach Brönsted ·
Säuren
und Laugen heben sich in ihrer Wirkung auf, sie neutralisieren sich ·
Kennen
lernen des pH-Wertes als negativer dekadischer Logarithmus der Konzentration
der Hydronium-Ionen. Die Berechnung von pH-Werten
aus gegebenen Säurekonzentrationen bzw. von Säurekonzentrationen aus dem
pH-Wert wird intensiv geübt, um eine gute Vorbereitung auf die Oberstufe zu
gewährleisten. Grundsätzliche mathematische Kenntnisse zu Logarithmen sind
aus dem Mathematikunterricht weitgehend bekannt, müssen jedoch häufig noch
gefestigt werden. ·
Konzentrationsbestimmung
von sauren Lösungen durch Titration. Die
Schüler lernen das Verfahren der Titration kennen und bestimmen im
Schülerexperiment den Säuregehalt einer sauren Lösung unbekannter
Konzentration. Das Auswerten der Titration wird eingehend geübt. |
|
Einführung in
die organische Chemie am Beispiel der Kohlenwasserstoffe |
·
Was
sind organische Stoffe? Die Schüler lernen organische Stoffe als
Kohlenwasserstoffverbingungen kennen. ·
Experimentalpraktikum:
Qualitative Elementaranalyse in organischen
Verbindungen. Die Schüler lernen die wichtigsten Nachweise für die Elemente Kohlenstoff,
Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff in organischen Verbindungen kennen. Eine Nachweis von Halogenen erfolgt im
Demonstrationsversuch. ·
Der
Weg zur Formel einer organischen Verbindung. Am Beispiel der experimentellen
Analysen von Erdgas (Methan) und Feuerzeuggas (Butan) lernen die Schüler, wie
man aus experimentellen Daten die Molekülformeln von Methan und Butan
bestimmt. Anhand von weiteren Anwendungsbeispielen werden die Rechenschritte
intensiv gefestigt. ·
Molekülbau,
Isomerie, homologe Reihe der Alkane: Ausgehend von den ermittelten
Summenformeln lernen die Schüler die homologe Reihe der Alkane kennen.
Mithilfe eine Molekülbaukastens entwickeln sie den räumlichen Bau der
Moleküle und leiten anhand der verschiedenen Verknüpfungsmöglichkeiten der
C-Atome Isomere ab. Anschließend werden die verschiedenen Moleküle
entsprechend der Nomenklaturregeln benannt. ·
Eigenschaften
der Alkane: In einem Experimentalpraktikum erarbeiten die Schüler typische
Eigenschaften verschiedener Alkane wie Brennbarkeit, Viskosität, Siede- und
Schmelztemperaturen und Löslichkeit und vergleichen diese miteinander. ·
Wo
kommen Alkane her? In einer Internetrecherche und mithilfe von PC-gestützten
Arbeitsblättern erarbeiten die Schüler die Entstehung von fossilen
Brennstoffen, deren Gewinnung und Reinigung. Die mit der Nutzung fossiler
Brennstoffe als Energieträger verbundenen Umweltprobleme werden thematisiert
und diskutiert. ·
Alkene
und Alkine– Kohlenwasserstoffe mit Mehrfachbindungen: Die während des
Crackens entstehenden ungesättigten Verbindungen leiten zu der Frage über,
was diese Moleküle zusammenhält und welche Eigenschaften sie haben. In
Analogie zu den Alkanen leiten die Schüler Eigenschaften ab, die sie dann im
Experiment überprüfen. Die Bedeutung von Ethen z. B. für die Bananenreifung
wird als experimentelle Hausaufgabe durchgeführt. |
Die
Orientierungsphase: Klasse 11
Das Ziel der Klassenstufe 11 ist es, die Kenntnisse der
Schüler so zu bündeln und zu erweitern, dass eine Orientierung auf die Qualifikationsphase
möglich ist. Die Schüler, die in der Klasse 11 sind, besitzen unterschiedliche
Eingangsvoraussetzungen. Daher besteht der erste Teilabschnitt aus einer
integrierten Wiederholung zentraler Inhalte aus den Klassen 9 und 10. Ausgehend
von einfachen organischen Kohlenwasserstoffen werden Bindungsverhältnisse,
Molekülaufbau aber auch quantitative Berechnungen zur Analyse durchgeführt. Aus
den Bindungsverhältnissen werden Stoffeigenschaften abgeleitet und
systematisiert. Als neue Unterrichtsinhalte kommen zwei Reaktionsmechanismen
hinzu, die in der Klasse 10 nicht thematisiert wurden. Die Schüler lernen die
Mechanismen der radikalischen Substitution von Halogenen an Alkane sowie die
elektrophile Addition von Halogenen an Alkene kennen. Die Behandlung von
Reaktionsmechanismen ist für die Schüler völlig neu und erwartet ein gehöriges
Maß an Vorstellung auf molekularer Ebene. Da dies allerdings eine sehr wichtige
Voraussetzung für die Qualifikationsphase ist, ist diese Fähigkeit stark zu
schulen. Ferner werden hierbei auch mathematisch-physikalische
Inhalte betont. So berechnen die Schüler die Wellenlänge, und damit die
Energie, die zur Spaltung eines Brom- oder Chlormoleküls für die radikalische
Substitution nötig ist. Generell sollten
sich Schüler in der Klasse 11 bewusst sein, dass in der Qualifikationsphase und
auch in einem späteren Studium gute mathematisch-physikalische Grundlagen den
Schlüssel zum Erfolg im Fach Chemie bilden.
Die weiteren
Inhalte sind in der folgenden Tabelle aufgelistet:
|
Themenbereich: |
Inhalt |
|
Alkanole |
·
Herstellung
von Alkohol durch alkoholische Gärung. Die Schüler setzen verschiedene
Obstweine aus Fruchtsäften an. ·
Der
Weg zur Summenformel von Ethanol: Durch Auswertung der quantitativen Analyse von
Ethanol ermitteln die Schüler die Summenformel von Ethanol und festigen so
den Weg der Formelermittlung. ·
Von
der Summenformel zur Strukturformel: Anhand eines Vergleichs des
Reaktionsverhaltens von Natrium mir Wasser, Ethanol und Heptan gelangen die
Schüler zur Hydroxylgruppe als funktionelle Gruppe der Alkanole. ·
Experimentalpraktikum:
Eigenschaften und Verwendung von Alkanolen: In diesem Praktikum untersuchen
die Schüler typische Stoffeigenschaften wie Löslichkeit, Siede- und
Schmelztemperatur. Ferner lernen sie dabei die Isomerie und die
Nomenklaturregeln für Alkanole kennen. ·
Alkanole
als Sucht- und Rauschmittel |
|
Oxidationsprodukte
der Alkanole |
·
Alkanole
lassen sich oxidieren: In einem Schülerexperiment oxidieren die Schüler
Propanol mit Kupferoxid und weisen den entstandenen Aldehyd nach. Die Suche
nach der Struktur des Produkts führt zur Erarbeitung der Oxidationszahlen.
Das Aufstellen der Oxidationszahlen wird eingehend gefestigt. ·
Stoffklasse
der Alkanale (Aldehyde): Eigenschaften, Nomenklatur und Nachweise werden
erarbeitet. ·
Experimentalpraktikum
Oxidierbarkeit verschiedener Alkohole: Durch Oxidation von sekundäre
Alkoholen gelangen die Schüler zur Stoffklasse der Alkanone, durch Oxidation
von Alkanalen zu Carbonsäuren. ·
Stoffklasse
der Alkanone (Ketone): s. o., zusätzlich erfolgt der Vergleich von Alkanonen
und Alkanalen ·
Die
Stoffklasse der Carbonsäuren wird tiefgreifender behandelt, da an ihr das
Säure-Base-Konzept nach Brönsted wiederholt und erweitert wird. Die Schüler
untersuchen die Eigenschaften von Essigsäure und Salzsäure und vergleichen
diese. Dabei erkennen sie den Unterschied zwischen starken und schwachen
Säuren. Durch Einführung des Protolysegrades kann
eine quantitative Unterscheidung erfolgen. Der Vergleich des pH-Wertes
verschiedener gleich konzentrierter Carbonsäuren führt zur genaueren
Betrachtung der Molekülstruktur und zur Ableitung induktiver Effekte.
Abschließend werden die Inhalte zur Methode der Säure-Base-Titration aus der
Klasse 10 wiederholt, indem sie durch Experimente und deren Auswertung
gefestigt werden. ·
Veresterung
– Duftstoffe – Arzneimittel: In einem Experimentalpraktikum stellen die
Schüler verschiedene Fruchtaromen, Wintergrünöl (Demonstrationsversuch) und
Aspirin durch Veresterung her. Die Eigenschaften der Ester und die
Nomenklaturregeln werden ebenfalls erarbeitet. ·
Anwendung
der Ester – Fette und Seifen: Die Schüler lernen den Aufbau von Fetten
kennen, deren Eigenschaften und deren Bedeutung als Energieträger. Gelegentlich
extrahieren die Schüler Fette aus verschiedenen Samen und Früchten (Nüsse,
Oliven, Raps) nach der Soxhlett-Methode. Die Verseifung eines Fettes sowie
die Erarbeitung der Eigenschaften von Seife erfolgt wiederum als
Experimentalpraktikum. |
Die
Qualifikationsphase: Klassen 12 und 13
Folgende Inhalte
sind in der Qualifikationsphase zu bearbeiten:
12.1 Physikalische
Chemie I: Kinetik, Energetik, chemisches Gleichgewicht
·
Im
Rahmen der Reaktionskinetik lernen die Schüler
Methoden kennen, wie man den zeitlichen Verlauf chemischer Reaktionen messend
verfolgen kann. Beispiele hierfür sind die Photometrie, die Titration, die
Volumetrie und die Gravimetrie. Im Schülerexperiment nehmen die Schüler
Messreihen auf und erstellen entsprechende Konzentrations-Zeit-Diagramme.
Anhand der Diagramme werden Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeiten
ermittelt und mit deren Hilfe Geschwindigkeits-Zeit-Diagramme erstellt. Aus der
Steigung der Geraden ermitteln die Schüler dann die Geschwindigkeitskonstante.
Alternativ erfolgt dies direkt anhand eines ln c / t –Diagramms für Reaktionen
erster Ordnung. Neben der grafischen Ableitung der Geschwindigkeitsgleichung
wird diese auch mathematisch durch Integration hergeleitet. Normalerweise
werden diese Verfahren nur für Reaktionen nullter, erster (pseudoerster) und
zweiter Ordnung angewandt. Die Deutung des zeitlichen Verlaufs chemischer
Reaktionen auf molekularer Ebene erfolgt mithilfe der Stoßtheorie.
In Leistungskursen wird zusätzlich die Temperaturabhängigkeit der Geschwindigkeitskonstante
über die Arrhenius-Gleichung behandelt. Gute
mathematisch-physikalische Grundkenntnisse und der sichere Umgang mit dem Ti-83
sind für den Unterricht sehr von Vorteil, da u. a. die Bestimmung von
Momentangeschwindigkeiten zu bestimmten Zeitpunkten leicht mit dem Ti-83
durchgeführt werden kann, wenn man zuvor die der Kinetik zugrunde liegende
Funktion bestimmt hat.
·
Ausgehend
von den Prinzipien des Energieflusses und der Energieumwandlung rücken energetische Aspekte von chemischen Reaktionen in den
Blick der Schüler. Die Schüler erarbeiten im Schülerexperiment geeignete
Methoden zur Bestimmung der bei chemischen Reaktionen frei werden den
Wärmeenergie. Dabei messen sie in einem Experimentalpraktikum Lösungsenthalpien
einiger Salze, Neutralisationsenthalpien und Reaktionsenthalpien bei
Redoxreaktionen. Die erhaltenen Erkenntnisse münden in der Ableitung des
Born-Haber-Kreisprozesses und dem Satz von Hess. Die Schüler üben die
Bestimmung von Reaktionsenthalpien aus Bildungsenthalpien und aus
Bindungsenthalpien. Im Leistungskurs werden neben der Enthalpie noch die
Entropie und damit die Gibbs-Helmholtz-Gleichung erarbeitet. Berechnungen
festigen und sichern die gewonnenen Erkenntnisse wiederum. Auf diese Weise sind
die Schüler in der Lage, chemische Reaktionen auf energetischer Ebene
vorherzusagen. Solide mathematische Kenntnisse sind auch hier wieder von
Vorteil.
·
Das
Phänomen der Umkehrbarkeit chemischer Reaktionen leitet zum chemischen Gleichgewicht über. Der Zeitpunkt einer
Reaktion, bei dem die Geschwindigkeit der Hinreaktion gleich der der
Rückreaktion ist, wird als Beginn des chemischen Gleichgewichts bezeichnet.
Experimentell wird dies am Beispiel der Veresterung von Ameisensäureethylester
bzw. der sauren Esterhydrolyse ermittelt. Auch am Beispiel der Untersuchung der
Protolyse von Essigsäure kann die Gleichgewichtslage bestimmt werden. Der aus
den Geschwindigkeitsgleichungen abgeleitete Term ist das Massenwirkungsgesetz
von Guldberg und Waage (1867), die Konstante die Gleichgewichtskonstante K
(kinetische Ableitung des Massenwirkungsgesetzes). Berechnungen zum
Massenwirkungsgesetz wird ein großer Raum gegeben, da diese Berechungen in den
Anwendungsthemen des Kurshalbjahres 12.2 wieder aufgegriffen werden. Auch hier
sind fundierte mathematische Kenntnisse von Vorteil.
Die
Beeinflussung des chemischen Gleichgewichts durch Konzentrationsveränderungen,
Druck und Temperatur (Le Chatelier) spielen
ebenfalls eine große Rolle. Eine erste Anwendung finden diese Konzepte in der
Ammoniaksynthese sowie in der technischen Herstellung von Schwefelsäure.
12.2 Physikalische
Chemie II: Säuren und Basen, Elektrochemie und Komplexe
·
Ausgehend
vom Säure-Base-Begriff nach Brönsted werden die allgemeinen Grundlangen
dieses Konzepts wiederholt und erweitert. Das Phänomen der unterschiedlichen
Säurestärke wird zusätzlich zum Protolysegrad durch Ableitung der
Säurekonstanten Ks bzw. Basenkonstante KB quantifiziert.
Umfangreiche Berechnungen rund um pKs- und pH-Wert festigen die Inhalte. Dabei wird nach
starken, mittelstarken und schwachen Säuren bzw. Base differenziert.
Mathematische Kenntnisse im Umgang mit quadratischen Gleichungen sind
Vorbedingung für das hinreichende Verständnis. Die Methode der Titration wird
aus der Klassenstufe 10 wieder aufgenommen und erweitert. In einem
Experimentalpraktikum erstellen die Schüler Titrationskurven von starken und
schwachen Säuren bzw. Basen und leiten
daran die Kernunterschiede ab. Da das Gymnasium Damme über einige pH-Meter
verfügt, die die Messwerte direkt an die XLS-Mess-Software überträgt, kann die
Auswertung über einen Laptop erfolgen. Eine Darstellung der Titrationskurve
überden Ti-83 ist ebenfalls möglich. Die Bedeutung von Indikatoren sowie die
von Puffersystemen werden in diesem Zusammenhang erarbeitet. Berechnungen
mithilfe der Puffergleichung dienen zur Festigung des Gelernten. Den Abschluss
des Themenkreises bildet eine praktische Prüfung zur Titration, in der die
Schüler die Konzentration sowie die Art der Säure bzw. Base durch Bestimmung
des pKS-Wertes bestimmen. Hier wird der Methodenschulung ein
besonderer Raum gegeben.
·
Das
Thema Elektrochemie verdeutlicht an einem zweiten Thema das
Donator-Akzeptor-Prinzip, diesmal nicht auf der Ebene der Protonen, sondern auf
der Ebene der Elektronen. Ausgehend vom erweiterten Redoxbegriff werden a
verschiedenen Beispielen das Aufstellen von Redoxgleichungen sowie die
Bestimmung der Oxidationszahlen eingeübt. Die dazu durchzuführenden Versuche
erfolgen meist im Rahmen von Schülerexperimenten an dem Oxidationsmittel
Kaliumpermanganat mit verschiedenen Reduktionsmitteln bei unterschiedlichen
pH-Werten. Giftige Chromate finden keine praktische, wohl aber eine
theoretische Anwendung. In einem Experimentalpraktikum führen die Schüler
Redoxtitrationen durch, wie z. B. die Bestimmung von Vitamin C in Zitronensaft,
die Bestimmung von Sulfit im Wein (Iodometrie (Rücktitration)) oder die
Bestimmung von Wasserstoffperoxid in Haarbleichmitteln durch. Das
Experimentalpraktikum Zementationsreaktionen führt zur Ableitung der Redoxreihe
der Metalle, die durch anschließende Potenzialmessung zur Spannungsreihe unter
Einbeziehung der Normalwasserstoffelektrode als Bezugspunkt führt.
Enthalpieberechnungen verknüpfen an dieser Stelle energetische Aspekte mit konkreten
Redoxreaktionen. Praktische Anwendungen wie beispielsweise das Ätzen von
Platinen oder die Reinigung von Silber ergänzen die erarbeiteten Inhalte. Die
Behandlung der Nernst-Gleichung stellt einen zentralen Aspekt der Elektrochemie
dar. An verschiedenen Beispielen wird teils im Schülerexperiment die
Nernst-Gleichung aus experimentellen Daten abgeleitet sowie die pH- und
Temperaturabhängigkeit der Redoxpotentiale bestimmt. Umfangreiche
Berechnungsübungen zu Konzentrationszellen und zum Löslichkeitsprodukt festigen
die Inhalte. Energetische Aspekte und Bezüge zum chemischen Gleichgewicht
werden immer wieder aufgezeigt und trainiert. Schülerexperimente zur Korrosion
und zu elektrochemischen Energiespeichern schließen sich an, um die
erarbeiteten Inhalte auf den Alltag anzuwenden und zu festigen.
Die
Umkehrung der galvanischen Zellen führt zur Elektrolyse. Wiederum in einem
Experimentalpraktikum werden die grundlegenden Inhalte Zersetzungsspannung,
Überspannung und Abscheidungspotentiale selbständig erarbeitet. Die
Faraday-Gesetze werden ebenfalls experimentell abgeleitet. Verschiedene
Anwendungsbeispiele wie das Galvanikpraktikum und die Gewinnung von Kupfer,
Aluminium und Chlor schließen sich als Festigungselement an.
·
Das
Phänomen des Kristallwassers beim blauen Kupfersulfat und beim „Blaugel“ leitet
zur Behandlung der Koordinationsverbindungen über. Untersuchungen zur
Herstellung von Amminkomplexen und zur Stabilität von Silberkomplexen und zu
Ligandenaustauschreaktionen schließen sich an, bevor die theoretische
Behandlung der Komplexgleichgewichte und die Ableitung der
Stabilitätskonstenten erfolgt. Letztere wird experimentell am Beispiel des
Silberdithiocyanato-Komplexes elektrochemisch bestimmt. Chelatkomplexe werden
im Experiment durch komplexometrische Titration von Eisen-Ionen mit EDTA-Lösung
thematisiert. Im Anschluss daran werden die Bindungsverhältnisse in Komplexen
mit dem Valenzbindungsmodell von Pauling erklärt.
13.1 Organische
Chemie I: Stoffklassen und deren Reaktionsmechanismen
·
Zunächst
erfolgt die intensive Wiederholung der bisher kennen gelernten Stoffklassen der
organischen Chemie. Die Nomenklaturregeln sowie die zentralen Eigenschaften
werden anhand der Molekülstruktur erläutert, wodurch die Herstellung des
Struktur-Eigenschaftsbezug von den Schülern geübt wird.
Verschiedene Isomeriearten werden ebenfalls thematisiert und mithilfe von
Molekülbaukästen veranschaulicht. In diesem Zusammenhang werden auch
verschiedene Trennverfahren wie die Dünnschicht-, Säulen- und
Gaschromatographie angesprochen und teilweise im Experiment nachempfunden.
Grundlagen der IR- und NMR-Spektroskopie und deren Bedeutung für die
Strukturaufklärung fließen in den Unterricht mit ein.
Vor
der Behandlung der eigentlichen Reaktionsmechanismen erfolgt die Behandlung des
Atombaus. Dabei wird das Bohr-Sommerfeld-Modell aus der Klasse 9 um die
Quantenzahlen, die Hundsche Regel und das Pauli-Prizip erweitert. Im Anschluss
daran erfolgt unter Einbeziehung der Heisenbergschen
Unschärferelation die Erarbeitung eines didaktisch reduzierten
wellenmechanischen Atommodells und die Übertragung auf die Bindungsverhältnisse
in Molekülen mithilfe des Valenzbindungsmodells nach Pauling.
Folgende
Reaktionsmechanismen werden im Detail behandelt: nucleophile Substitution (SN1
/ SN2), Eliminierungen (E1 / E 2) als konkurrenz, elektrophile
Addition an Alkene und Diene, nucleophile Addition an Carbonylgruppen,
säurekatalysierte Veresterung und deren Umkehrung (saure Hydrolyse) sowie die
alkalische Verseifung. Einen Schwerpunkt bilden die aromatischen Verbindungen.
Deren Bindungsverhältnisse und Reaktionsverhalten werden tiefgreifend
behandelt. Querbeziehungen zur Säure-Base-Reaktionen und zum Redoxverhalten
werden aufgezeigt, wodurch die Verknüpfung von organischer und anorganischer
Chemie deutlich wird.
Verschiedene
Mechanismen der elektrophilen Substitution wie Halogenierung, Nitrierung,
Sulfonierung und Friedel-Crafts-Reaktionen werden, wie auch die Einflüsse von
Erstsubstituenten auf die Zweitsubstitution, ausgehend vom Experiment abgeleitet.
Alltagsbezüge zur Verwendung von Aromaten z. B. als Arzneimittel,
Konservierungsstoff, Sprengstoff oder Kunststoffe werden hergestellt.
13.2 Organische
Chemie II: Angewandte organische Chemie
·
Das
letzte Kurshalbjahr steht ganz im Zeichen der Verknüpfung und Anwendung der
gelernten Inhalte als Vorbereitung auf die Abiturprüfung. Als mögliche Themen
stehen dabei zur Auswahl: Kunststoffe, Farbstoffe oder Naturstoffe. Je nach
Schwerpunktsetzung im Zentralabitur können eines oder zwei Themen bearbeitet
werden. Allerdings ist die Farbstoffchemie bestens für eine Verknüpfung der
Inhalte geeignet, da dort sowohl Inhalte der Farbstoffchemie, der
Säure-Base-Chemie und der Elektrochemie wiederholt werden können. Neben den
verschiedenen Ursachen von Farbigkeit werden Bindungsmodelle vermittelt und
wiederholt, die die Farbigkeit erklären. Eine didaktisch reduzierte
Molekülorbital-Theorie spielt mit ihren HOMO-LUMO-Wechselwirkungen eine
zentrale Rolle. Für die im Experimentalpraktikum hergestellten Farbstoffe werden
die Synthesewege formuliert, wodurch u. a. der Mechanismus der elektrophilen
Substitution an Aromaten gefestigt werden kann. Auch die photometrische
Untersuchung der hergestellten Farbstoffe dient dazu, grundlegende chemische
Methoden zu wiederholen. Verschiedene Schülerexperimente zu den Färbeverfahren
runden das Thema ab.